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BEZEICHNUNG

chown, fchown, lchown, fchownat − Besitzverhältnisse einer Datei ändern

ÜBERSICHT

#include <unistd.h>

int chown(const char *pathname, uid_t owner, gid_t group);
int fchown(int
fd, uid_t owner, gid_t group);
int lchown(const char *
pathname, uid_t owner, gid_t group);

#include <fcntl.h> /* Definition der AT_*−Konstanten */
#include <unistd.h>

int fchownat(int dirfd, const char *pathname,
uid_t
owner, gid_t group, int flags);

Mit Glibc erforderliche Makros (siehe feature_test_macros(7)):

fchown(), lchown():

/* Seit Glibc 2.12: */ _POSIX_C_SOURCE >= 200809L
|| _XOPEN_SOURCE >= 500
|| /* Glibc−Versionen <= 2.19: */ _BSD_SOURCE

fchownat():

Seit Glibc 2.10:

_POSIX_C_SOURCE >= 200809L

Vor Glibc 2.10:

_ATFILE_SOURCE

BESCHREIBUNG

Diese Systemaufrufe ändern den Eigentümer und die Gruppe einer Datei. Die Systemaufrufe fchown() und lchown() unterscheiden sich nur in der Angabe der Datei:

*

chown() ändert die Besitzverhältnisse der von pathname angegebenen Datei. Falls das ein symbolischer Link ist, wird er dereferenziert.

*

fchown() ändert die Besitzverhältnisse der Datei, die über den offenen Dateideskriptor fd festgelegt wird.

*

lchown() ist wie chown(), dereferenziert aber keine symbolischen Links.

Nur ein privilegierter Prozess (Linux: verfügt über die CAP_CHOWN−Capability) kann den Eigentümer einer Datei ändern. Der Eigentümer einer Datei kann die Gruppenzugehörigkeit der Datei in jede Gruppe ändern, der er selber angehört. Ein privilegierter Prozess (Linux: mit CAP_SHOWN) kann die Gruppenzugehörigkeit beliebig ändern.

Falls owner oder group als −1 übergeben werden, dann wird diese ID nicht geändert.

Wird der Eigentümer oder die Gruppe einer ausführbaren Datei von einem nicht privilegierten Nutzer geändert, werden die Modus−Bits S_ISUID und S_ISGID gelöscht. POSIX legt nicht fest, ob dies auch dann geschehen sollte, wenn Root das chown() durchführt. Das Verhalten von Linux ist in diesem Falle abhängig von der Kernel−Version; seit Linux 2.2.13 wird root wie jeder andere Benutzer behandelt. Falls die Datei für die Gruppe nicht ausführbar ist (d.h. eine, für die das S_IXGRP−Bit nicht gesetzt ist), zeigt das S_ISGID−Bit verbindliche Sperren (mandatory locks) für die Datei an und wird nicht durch ein chown() gelöscht.

Wenn der Eigentümer oder die Gruppe einer Programmdatei (durch igendeinen Benutzer) geändert werden, werden alle Capability−Mengen für diese Datei zurückgesetzt.

fchownat()
Der Systemaufruf fchownat() funktioniert genauso wie chown, außer den hier beschriebenen Unterschieden.

Falls der in pathname übergebene Pfadname relativ ist wird er als relativ zu dem im Dateideskriptor dirfd referenzierten Verzeichnis interpretiert (statt relativ zum aktuellen Arbeitsverzeichnis des aufrufenden Prozesses, wie es bei chown() für einen relativen Pfadnamen erfolgt).

Falls pathname relativ ist und dirfd den besonderen Wert AT_FDCWD annimmt wird pathname als relativ zum aktuellen Arbeitsverzeichnis des aufrufenden Prozesses interpretiert (wie chown()).

Falls pathname absolut ist wird dirfd ignoriert.

Das Schalter−Argument ist eine Bitmaske, die durch bitweises ODER null oder mehr der folgenden Werte enthält:
AT_EMPTY_PATH
(seit Linux 2.6.39)

Falls Pfadname eine leere Zeichenkette ist, wird mit der Datei gearbeitet, auf die dirfd verweist (dies kann mit dem O_PATH−Schalter von open(2) ermittelt werden). In diesem Fall kann sich dirfd auf jeden Dateityp beziehen, nicht nur einem Verzeichnis. Falls dirfd AT_FDCWD ist, erfolgt der Aufruf im aktuellen Arbeitsverzeichnis. Dieser Schalter ist Linux−spezifisch; definieren Sie _GNU_SOURCE, um dessen Definition zu ermitteln.

AT_SYMLINK_NOFOLLOW

Wenn der Pfadname ein symbolischer Link ist, wird er nicht dereferenziert: es wird stattdessen mit dem Link selbst gearbeitet, wie bei lchown(). In der Voreinstellung dereferenziert fchownat() symbolische Links, wie chown().

Lesen Sie openat(2) für eine Beschreibung der Notwendigkeit von fchownat().

RÜCKGABEWERT

Bei Erfolg wird Null zurückgegeben. Bei einem Fehler wird −1 zurückgegeben und errno entsprechend gesetzt.

FEHLER

Je nach Dateisystem können andere als die unten aufgeführten Fehler zurückgegeben werden.

Die allgemeineren Fehler von fchown() sind im Folgenden aufgeführt:

EACCES

Eine Komponente des Pfad−Präfix darf nicht durchsucht werden. (Siehe auch path_resolution(7).)

EFAULT

pathname zeigt aus dem für Sie zugänglichen Adressraum heraus.

ELOOP

Bei der Auflösung von pathname wurden zu viele symbolische Links gefunden.

ENAMETOOLONG

pathname ist zu lang.

ENOENT

Die Datei existiert nicht.

ENOMEM

Es war nicht genügend Kernel−Speicher verfügbar.

ENOTDIR

Eine Komponente des Pfad−Präfixes ist kein Verzeichnis.

EPERM

Der aufrufende Prozess hatte nicht die benötigten Rechte (siehe oben), um den Eigentümer und/oder die Gruppe zu ändern.

EPERM

Die Datei ist als unveränderlich oder nur−anhängbar markiert (siehe ioctl_iflags(2))

EROFS

Die angegebene Datei befindet sich auf einem nur lesbaren (read−only) Dateisystem.

Die allgemeinen Fehler von fchown() sind im Folgenden aufgeführt:

EBADF

fd ist kein zulässiger offener Dateideskriptor.

EIO

Bei der Bearbeitung des Inodes trat ein system−/hardwarenaher E/A−Fehler (engl. I/O) auf.

ENOENT

Siehe oben.

EPERM

Siehe oben.

EROFS

Siehe oben.

Die gleichen Fehler, die bei chown() auftreten, können auch bei fchownat auftreten. Die folgenden zusätzlichen Fehler können bei fchownat() auftreten:

EBADF

dirfd ist kein zulässiger Dateideskriptor.

EINVAL

Unzulässiger Schalter in flags angegeben.

ENOTDIR

pathname ist relativ und dirfd ist ein Dateideskriptor, der sich auf eine Datei bezieht, die kein Verzeichnis ist.

VERSIONEN

fchownat() wurde zu Linux in Kernel 2.6.16 hinzugefügt; Bibliotheksunterstützung wurde in Glibc in Version 2.4 hinzugefügt.

KONFORM ZU

chown(), fchown(), lchown(): 4.4BSD, SVr4, POSIX.1−2001, POSIX.1−2008.

Die Version aus 4.4BSD kann nur vom Superuser verwendet werden (d.h., normale Benutzer können keine Dateien weggeben).

fchownat(): POSIX.1−2008.

ANMERKUNGEN

Eigentümerschaft neuer Dateien
Wenn eine neue Datei erzeugt wird (zum Beispiel durch open(2) oder mkdir(2)), wird der Eigentümer der gleiche wie die Dateisystem−Benutzer−ID des erzeugenden Prozesses. Die Gruppe der Datei hängt von einer Reihe von Faktoren ab, einschließlich der Art des Dateisystems, den beim Einhängen des Dateisystems verwendeten Optionen und der (Nicht−) Aktivierung des Set−Group−ID−Modusbits für das Elternverzeichnis. Falls das Dateisystem die Optionen −o grpid (oder synonym −o bsdgroups) und −o 0grpid (oder synonym −o sysvgroups) von mount(8) unterstützt, dann sind die Vorschriften wie folgt:

*

Falls das Dateisystem mit −o grpid eingehängt wurde, wird die Gruppe der neuen Datei vom Elternverzeichnis übernommen.

*

Falls das Dateisystem mit −o nogrpid eingehängt wurde und das Set−Group−ID−Bit wurde für das Elternverzeichnis deaktiviert, wird die Gruppe einer neuen Datei auf die Dateisystem−GID des Prozesses gesetzt.

*

Falls das Dateisystem mit −o nogrpid eingehängt wurde und das Set−Group−ID−Bit wurde für das Elternverzeichnis aktiviert, wird die Gruppe einer neuen Datei vom Elternverzeichnis übernommen.

Seit Linux 2.6.25 werden die Einhängeoptionen −o grpid und −o nogrpid von ext2, ext3, ext4 und XFS unterstützt. Dateisysteme, die diese Optionen nicht unterstützen, folgen den −o nogrpid−Regeln.

Anmerkungen zur Glibc
Mit älteren Kernels, in denen fchownat() nicht verfügbar ist, weicht die Glibc−Wrapper−Funktion auf chown() und lchown() aus. Wenn Pfadname ein relativer Pfadname ist, dann konstruiert die Glibc einen Pfadnamen, der auf jenem symbolischen Link in /proc/self/fd, der dem Argument dirfd entspricht.

NFS
Die Semantik von chown() wird auf NFS−Dateisystemen mit aktiviertem UID−Mapping bewusst verletzt. Außerdem wird bei allen Systemaufrufen, die auf den Dateiinhalt zugreifen, die Semantik verletzt, da chown() einen sofortigen Entzug des Zugriffs bei bereits geöffneten Dateien bewirken kann. Zwischenspeicherung (Caching) seitens des Clients kann zu einer Verzögerung zwischen dem Zeitpunkt der Änderung der Besitzverhältnisse, um einem Benutzer Zugriff zu ermöglichen, und dem Zeitpunkt, zu dem er auf anderen Clients tatsächlich zugreifen kann, führen.

Historische Details
Die ursprünglichen Linux−Systemaufrufe chown(), fchown() und lchown() unterstützten nur 16−Bit−Benutzer− und Gruppen−IDs. Anschließend fügte Linux 2.4 chown32(), fchown32() und lchown32() zur Unterstützung von 32−Bit−IDs hinzu. Die Glibc−Wrapper−Funktionen chown(), fchown() und lchown() gehen transparent mit den Variationen zwischen den Kernel−Versionen um.

In Linux−Versionen vor 2.1.81 (außer 2.1.46) folgte chown() nicht symbolischen Links. Seit Linux 2.1.81 folgt chown() symbolischen Links und es gibt einen neuen Systemaufruf lchown(), der symbolischen Links nicht folgt. Ab Linux 2.1.86 hat dieser neue Aufruf (der die gleiche Semantik wie das alte chown() hat) die gleiche Systemaufruf−Nummer (syscall number) und chown() erhielt die neu eingeführte Nummer.

BEISPIEL

Das folgende Programm ändert den Eigentümer der Datei im zweiten Befehlszeilen−Argument auf den Wert, der als erstes Befehlszeilen−Argument angegeben wird. Der neue Besitzer kann entweder als numerische Benutzer−ID oder als Benutzername (die mittels getpwnam(3) durch einen Suchlauf in der System−Passwortdatei in eine Benutzer−ID umgewandelt wird) angegeben werden.

Programmquelltext
#include <pwd.h>
#include <stdio.h>
#include <stdlib.h>
#include <unistd.h>

int
main(int argc, char *argv[])
{
uid_t uid;
struct passwd *pwd;
char *endptr;

if (argc != 3 || argv[1][0] == '\0') {
fprintf(stderr, "%s <Eigentümer> <Datei>\n", argv[0]);
exit(EXIT_FAILURE);
}

uid = strtol(argv[1], &endptr, 10); /* eine numerische Zeichenkette
erlauben */

if (*endptr != '\0') { /* String war nicht rein numerisch */
pwd = getpwnam(argv[1]); /* versuchen, UID für den Benutzernamen
zu bestimmen */
if (pwd == NULL) {
perror("getpwnam");
exit(EXIT_FAILURE);
}

uid = pwd−>pw_uid;
}

if (chown(argv[2], uid, −1) == −1) {
perror("chown");
exit(EXIT_FAILURE);
}

exit(EXIT_SUCCESS);
}

SIEHE AUCH

chgrp(1), chown(1), chmod(2), flock(2), path_resolution(7), symlink(7)

KOLOPHON

Diese Seite ist Teil der Veröffentlichung 4.12 des Projekts Linux−man−pages. Eine Beschreibung des Projekts, Informationen, wie Fehler gemeldet werden können sowie die aktuelle Version dieser Seite finden sich unter https://www.kernel.org/doc/man−pages/.

ÜBERSETZUNG

Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Florian Jenn <jennf [AT] tu-cottbus.de>, Helge Kreutzmann <debian [AT] helgefjell.de>, Martin Eberhard Schauer <Martin.E.Schauer [AT] gmx.de> und Mario Blättermann <mario.blaettermann [AT] gmail.com> erstellt.

Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General Public License Version 3 oder neuer bezüglich der Copyright-Bedingungen. Es wird KEINE HAFTUNG übernommen.

Wenn Sie Fehler in der Übersetzung dieser Handbuchseite finden, schicken Sie bitte eine E-Mail an <debian-l10n-german [AT] lists.org>.

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