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BEZEICHNUNG

socket − einen Kommunikationsendpunkt erzeugen

ÜBERSICHT

#include <sys/types.h> /* Siehe ANMERKUNGEN */
#include <sys/socket.h>

int socket(int domain, int type, int protocol);

BESCHREIBUNG

socket() erzeugt einen Kommunikationsendpunkt und gibt einen Dateideskriptor zurück, der diesen Endpunkt referenziert.

Der Parameter domain spezifiziert eine Kommunikations−Domain; dies wählt die Protokollfamilie aus, die benutzt werden soll. Diese Familien sind in <sys/socket.h> definiert. Zu den derzeit verstandenen Formaten gehören:

Der Socket hat den in type angegebenen Typ, welcher die Kommunikationssemantik festlegt. Derzeit sind folgende Typen definiert:

SOCK_STREAM

Stellt sequentielle, zuverlässige, verbindungsorientierte Zweiweg−Bytestreams bereit. Ein »Out−of−Band«−Datenübertragungsmechanismus kann unterstützt werden.

SOCK_DGRAM

Unterstützt Datagramme (verbindungslose, unzuverlässige Nachrichten mit einer festen Maximallänge).

SOCK_SEQPACKET

Bietet einen sequenziellen, verlässlichen, verbindungsbasierten Zwei−Wege−Übertragungspfad für Datagramme einer festen maximalen Länge; ein Abnehmer ist erforderlich, um mit jedem Eingabe−Systemaufruf ein ganzes Paket zu lesen.

SOCK_RAW

Bietet Zugriff auf das »rohe« Netzwerkprotokoll.

SOCK_RDM

Bietet eine zuverlässige Datagramm−Ebene, die aber keine Reihenfolge garantiert.

SOCK_PACKET

Veraltet und sollte nicht in neuen Programmen verwendet werden; siehe packet(7).

Einige Socket−Typen sind möglicherweise nicht von allen Protokollfamilien implementiert.

Seit Linux 2.6.27 dient das Argument type einem zweiten Zweck: Zusätzlich zur Angabe des Socket−Typs kann es ein bitweises ODER von einem der folgenden Werte enthalten, um das Verhalten von socket() zu verändern:

SOCK_NONBLOCK

Setzt den Dateistatus−Schalter O_NONBLOCK für den neu geöffneten Dateideskriptor. Die Verwendung dieses Schalters spart zusätzliche Aufrufe von fcntl(2), um das gleiche Ergebnis zu erreichen.

SOCK_CLOEXEC

Setzt den Schalter »Schließen bei Ausführung« (close−on−exec, FD_CLOEXEC) für den neuen Dateideskriptor. Lesen Sie die Beschreibung des Schalters O_CLOEXEC in open(2), um die Gründe zu beleuchten, warum dies nützlich sein könnte.

Das protocol bezeichnet ein spezielles Protokoll, das auf diesem Socket benutzt wird. Normalerweise gibt es nur ein einziges Protokoll, das von einem speziellen Sockettyp einer Protokollfamilie unterstützt wird. In diesem Fall kann protocol als 0 angegeben werden. Nichtsdestotrotz ist es möglich, dass mehrere Protokolle existieren. In diesem Fall muss das zu Verwendende auf diese Art angegeben werden. Die Protokollnummer ist individuell für die bestimmte »Kommunikations−Domain«. Siehe dazu auch protocols(5). Lesen Sie getprotoent(3), um zu erfahren, wie Sie die Protokollnamenzeichenketten auf Protokollnummern abbilden.

Sockets des Typs SOCK_STREAM sind Vollduplex−Byte−Streams. Sie erhalten die Grenzen von Datensätzen nicht. Ein Stream−Socket muss sich in einem connected−Status befinden, bevor mit ihm irgendwelche Daten gesendet oder empfangen werden können. Eine Verbindung zu einem anderen Socket wird mit connect(2) hergestellt. Einmal verbunden können Daten mit read(2) und write(2) übertragen werden bzw. mit Varianten von send(2) oder recv(2). Wenn eine Sitzung abgeschlossen ist, kann close(2) ausgeführt werden. Out−of−band Daten können, wie in send(2) und recv(2) beschrieben, gesendet und empfangen werden.

Die Kommunikationsprotokolle, die ein SOCK_STREAM implementieren, gewährleisten, dass die Daten nicht verloren gehen oder dupliziert werden. Falls ein Datenelement, für das das Peer−Protokoll Platz im Pufferspeicher bereithält, nicht erfolgreich innerhalb einer angemessenen Zeitspanne übertragen werden kann, dann wird die Verbindung als »tot« betrachtet. Falls SO_KEEPALIVE für den Socket aktiviert ist, überprüft das Protokoll auf eine protokollspezifische Weise, ob das andere Ende »noch am Leben« ist. Es wird ein SIGPIPE−Signal ausgelöst, wenn ein Prozess auf einem unterbrochenen Stream sendet oder empfängt; naive Prozesse, die das Signal nicht abfangen, werden beendet. SOCK_SEQPACKET−Sockets verwenden die gleichen Systemaufrufe wie SOCK_STREAM−Sockets. Der einzige Unterschied ist, dass Aufrufe von read (2) nur die Menge an angeforderten Daten zurückgeben und alle verbleibenden Daten im ankommenden Paket verwerfen. Ebenso werden alle Nachrichtengrenzen in eingehenden Datagrammen beibehalten.

SOCK_DGRAM− und SOCK_RAW−Sockets ermöglichen das Senden von Datagrammen zu Empfängern, die in send(2)−Aufrufen benannt werden. Datagramme werden grundsätzlich mit recvfrom(2) empfangen, das das nächste Datagramm zusammen mit der Absenderadresse zurückliefert.

SOCK_PACKET ist ein veralteter Socket−Typ für den Empfang von Rohdaten direkt vom Treiber. Verwenden Sie stattdessen packet(7).

Mit einer fcntl(2)F_SETOWN−Operation kann ein Prozess oder eine Prozessgruppe angegeben werden, der/die ein SIGURG empfangen soll, wenn Out−of−Band−Daten eintreffen, oder SIGPIPE, wenn eine SOCK_STREAM−Verbindung unerwartet unterbrochen wird. Diese Operation kann auch verwendet werden, um den Prozess oder die Prozessgruppe festzulegen, welche(r) die E/A und die asynchrone Benachrichtigung über E/A−Ereignisse mittels SIGIO empfängt. Die Verwendung von F_SETOWN entspricht einem Aufruf von ioctl(2) mit den Argumenten FIOSETOWN oder SIOCSPGRP.

Wenn das Netzwerk dem Protokollmodul einen Fehlerzustand signalisiert (z.B. mittels einer ICMP−Nachricht für IP) wird für den Socket der Schalter für einen anstehenden Fehler gesetzt. Die nächste Operation auf diesem Socket liefert den Fehlercode des anstehenden Fehlers. Bei manchen Protokollen ist es möglich, für jeden Socket eine Fehler−Warteschlange zu aktivieren, um detaillierte Informationen über den Fehler abrufen zu können; siehe IP_RECVERR in ip(7).

Die Arbeitsweise von Sockets wird von Socket−Level−Optionen gesteuert. Diese sind in der Include−Datei <sys/socket.h> definiert. setsockopt(2) und getsockopt(2) werden verwendet, um diese Optionen zu setzen bzw. zu lesen.

RÜCKGABEWERT

Bei Erfolg wird ein Dateideskriptor für den neuen Socket zurückgegeben. Bei einem Fehler wird −1 zurückgegeben und errno entsprechend gesetzt.

FEHLER

EACCES

Es ist dem Prozess nicht erlaubt, einen Socket von angegebenen Typ und/oder Protokoll zu erzeugen.

EAFNOSUPPORT

Die Implementierung unterstützt die angegebene Adressfamilie nicht.

EINVAL

Unbekanntes Protokoll oder Protokollfamilie nicht verfügbar.

EINVAL

Ungültige Schalter in type.

EMFILE

Die Beschränkung pro−Prozess der Anzahl offener Datei−Deskriptoren wurde erreicht.

ENFILE

Die systemweite Beschränkung für die Gesamtzahl offener Dateien wurde erreicht.

ENOBUFS oder ENOMEM

Es ist nicht ausreichend Speicher verfügbar. Der Socket kann nicht erzeugt werden, bis ausreichend Ressourcen freigegeben wurden.

EPROTONOSUPPORT

Der Protokolltyp oder das angegebene Protokoll wird von dieser Kommunikations−Domain nicht unterstützt.

Andere Fehler können von den unterliegenden Protokollmodulen erzeugt werden.

KONFORM ZU

POSIX.1−2001, POSIX.1−2008, 4.4BSD.

Die Schalter SOCK_NONBLOCK und SOCK_CLOEXEC sind Linux−speziifisch.

socket() erschien in 4.2BSD. Es ist grundsätzlich zu/von Nicht−BSD−Systemen portierbar, die Clone der BSD−Socket−Schicht unterstützen (einschließlich System−V−Varianten).

ANMERKUNGEN

POSIX.1 erfordert nicht, dass <sys/types.h> eingebunden wird. Diese Header−Datei ist in Linux nicht erforderlich. Allerdings benötigen einige historische Implementierungen (BSD) diese Header−Datei. Es wird empfohlen, sie für portierbare Anwendungen einzubinden.

Die unter 4.x BSD verwendeten Manifest−Konstanten für Protokollfamilien sind PF_UNIX, PF_INET und so weiter, währen AF_UNIX, AF_INET und so weiter für Adressfamilien verwendet werden. Jedoch verspricht schon die BSD−Handbuchseite:»The protocol family generally is the same as the address family« und nachfolgende Standards verwenden überall AF_.

Der AF_ALG−Protokolltyp wurde in Linux 2.6.38 hinzugefügt. Weitere Informationen zu dieser Schnittstelle finden Sie in der Kernel−Dokumentation auf https://www.kernel.org/doc/htmldocs/crypto−API/User.html.

BEISPIEL

Ein Beispiel für die Verwendung von socket() ist in getaddrinfo(3) dargestellt.

SIEHE AUCH

accept(2), bind(2), close(2), connect(2), fcntl(2), getpeername(2), getsockname(2), getsockopt(2), ioctl(2), listen(2), read(2), recv(2), select(2), send(2), shutdown(2), socketpair(2), write(2), getprotoent(3), ip(7), socket(7), tcp(7), udp(7), unix(7)

“An Introductory 4.3BSD Interprocess Communication Tutorial” und “BSD Interprocess Communication Tutorial”, nochmals in UNIX Programmer’s Supplementary Documents Volume 1 gedruckt.

KOLOPHON

Diese Seite ist Teil der Veröffentlichung 4.12 des Projekts Linux−man−pages. Eine Beschreibung des Projekts, Informationen, wie Fehler gemeldet werden können sowie die aktuelle Version dieser Seite finden sich unter https://www.kernel.org/doc/man−pages/.

ÜBERSETZUNG

Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Martin Schulze <joey [AT] infodrom.org>, Sebastian Rittau <srittau [AT] jroger.de>, Helge Kreutzmann <debian [AT] helgefjell.de>, Martin Eberhard Schauer <Martin.E.Schauer [AT] gmx.de>, Mario Blättermann <mario.blaettermann [AT] gmail.com> und Dr. Tobias Quathamer <toddy [AT] debian.org> erstellt.

Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General Public License Version 3 oder neuer bezüglich der Copyright-Bedingungen. Es wird KEINE HAFTUNG übernommen.

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